Empfehlungen und Richtlinien für Workshopleitende des Trans Congress

Diese Empfehlungen und Richtlinien unterstützen dich einen bereichernden Workshop am Trans Congress durchzuführen. Wir möchten dich bei der Vorbereitung und Durchführung unterstützen. Du kannst gerne jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen.

Uns ist wichtig, dass du daran denkst, dass viele trans und gender non-conforming Menschen einzigartige Formen der Diskriminierung erleben. Wir haben das Ziel, dass sich alle Teilnehmende wohl und sicher während der Veranstaltung fühlen. Für dieses Ziel benötigen wir deine Hilfe.

Allgemeines

Verhaltenskodex

Wie alle anderen Teilnehmenden wirst du unserem Verhaltenskodex zustimmen. Wir sind auf deine Mitarbeit angewiesen, dass dieser Kodex in deinem Workshop eingehalten wird. Dies gilt sowohl für dich selbst, als auch für die Teilnehmende in deinem Workshop.

(Gendergerechte) Sprache

Am Kongress nehmen Menschen mit sehr verschiedenen Identitäten und Hintergründen statt. Wir bitte dich darum, dass du eine gendergerechte Sprache verwendest und dass du Menschen mit ihrem selbstbestimmten Pronomen ansprichst oder kein Pronomen verwendest, wenn es so gewünscht ist. Du findest die Information auf dem Namensschild jeder Person oder du kannst am Anfang von deinem Workshop die Präferenz in einer Vorstellungsrunde erfragen.

Wir empfehlen dir, dass du deinen Workshop mit einer geschlechtergerechten Sprache vorab übst, wenn du nicht geläufig darin bist.

Der Kongress ist dreisprachig. Aus diesem Grund bitten wir dich:

  1. Falls du Powerpoint-Folien benutzen möchtest, diese (zumindest rudimentär) auf deutsch, französisch und englisch vorzubereiten.
  2. Falls du ein Referat hältst, wäre es gut, wenn du es wörtlich vorbereiten und ausdrucken würdest. So können sich (Laien-)Dolmetscher_innen vorbereiten.
  3. Denke bitte daran, dass Dolmetscher_innen während deines Workshops Pausen und ein langsameres Sprachtempo benötigen, damit sie übersetzen können.

Für die Übersetzung kannst du – auch wenn es leider keine geschlechtergerechte Sprache produziert – www.deepl.com für eine maschinelle Übersetzung verwenden. Wir bitten dich zu Beginn deines Workshops darauf hinzuweisen.

Pünktlichkeit

Beginne deinen Workshop pünktlich (innerhalb der ersten 3 Minuten nach dem offiziellen Beginn) und beende deinen Workshop spätestens zum angegebenen Ende. Zwischen 5 und 10 Minuten vor dem Ende kommt jemand vom Orga-Team in den Raum und wird auf das Ende hinweisen.

Bitte sieh davon ab kurz vor Ende deine Teilnehmenden zu fragen, ob sie bereit sind den Workshop zu verlängern. Die Chance ist sehr gross, dass die Menschen, die die Pause am nötigsten haben, sich nicht aktiv dagegen wehren (können). Und zusätzlich müssen wir den Raum für den nächsten Workshop vorbereiten.

Geschlossene Zielgruppen

Für einen guten Austausch in deinem Workshop soll vielleicht nur eine bestimmte Zielgruppe (z.B. nur trans Frauen oder trans Menschen mit bestimmten Erfahrungen) teilnehmen. Gleichzeitig ist der Trans Congress eine offene Veranstaltung, die auf der Selbstdeklaration von Menschen basiert. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du am Anfang deines Workshops nochmals die Zielgruppenabgrenzung wiederholst und alle, die nicht darauf passen, bittest den Workshop zu verlassen.

Wie könnte das aussehen:
“Dieser Workshop ist exklusiv für trans Männlichkeiten, wenn sich eine Person von euch anders identifiziert, bitte ich dich den Workshop aus Rücksicht auf die anderen Teilnehmenden nun zu verlassen.“

Körperübungen

Viele trans Menschen sind sehr sensibel in Bezug auf ihren Körper und eigene sowie fremde Berührungen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du zu Beginn

  1. explizit auf mögliche Körperübungen in deinem Workshop hinweist,
  2. die Körperstellen benennst und
  3. klar ausdrückst, dass diese Aktivitäten freiwillig sind.

Wie könnte das aussehen:
“In diesem Workshop werden wir uns bewegen und selbst an den Armen und dem Bauch berühren. Ich möchte euch darauf hinweisen, dass diese Übungen freiwillig sind.“

Während des Workshops

Pausen und Abwechslung

Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von Menschen liegt bei maximal ca. 20 Minuten. Um diese Zeit zu erweitern, ist Abwechslung nötig. Die Abwechslung kann durch Interaktion mit den Teilnehmenden, Vorträge von zwei Personen, Videos oder andere Methoden geschehen. Vor allem bei längeren Workshop ist auch körperliche Bewegung zu empfehlen, z.B. dass Menschen sich zu Gruppen zusammenfinden sollen, damit eine Gruppenaufgabe erledigt werden kann.

Bei einer Workshoplänge von über 60 Minuten musst du mindestens eine Gruppenaufgabe planen. Die Gruppenbildung kann so automatisch als Pause fungieren. Alternativ kannst du in der Mitte des Workshops eine Pause von mindestens 5 Minuten planen.

Bei einer Workshoplänge von über 90 Minuten musst du im 60-75-Minuten-Rhythmus eine Pause von mindestens 5-10 Minuten planen.

Wenn jemand zu viel redet

Es kann passieren, dass eine Person den Workshop dominiert und sehr viel Redezeit für sich in Anspruch nimmt. In der Regel verschlechtert dies das Erlebnis der anderen Teilnehmenden. Falls du in diese Situation gerätst, empfehlen wir dir folgende Eskalationsstufen:

  1. Führe striktere Moderation ein – z.B. Teilnehmende müssen sich erst durch Handzeichen bemerkbar machen, bevor sie etwas sagen können
  2. Einführung eine Talking-Sticks – Deklariere einen auffälligen Gegenstand (z.B. grossen Stift) als Talking Stick. Nur noch die Person, die den Talking Stick in der Hand hat, darf reden
  3. Weise die viel redende Person darauf hin – z.B. könntest du sagen: “Person X hat gerade ihre Erfahrung geteilt und du hast in der Mitte von ihrem Satz angefangen über deine Erfahrung zu reden. Dies ist für mich frustrierend, weil ich erreichen möchte, dass wir alle Raum zum Teilen unserer Erfahrung haben. Aus diesem Grund bitte ich dich, dass du dich zurückhältst und den anderen mehr Raum gibst. Ist das ok für dich?”
  4. Sollte auch dies noch nicht ausreichen, kannst du Menschen aus diesem Workshop ausschliessen. In diesem Fall bitten wir dich darum, dass du unverzüglich das Care-Team informierst.

Emotional aufwühlende Themen oder Erfahrungen

Wir haben folgende Empfehlungen für dich, falls du in deinem Workshop emotional aufwühlende Themen oder Erfahrungen der Teilnehmenden behandelst.

Trigger-Warnung zu Beginn

Falls du in deinem Workshop emotional aufwühlende Themen oder Erfahrungen behandelst, musst unbedingt zu Beginn des Workshops explizit darauf hinweisen – auch wenn es bereits im Titel und Abriss erwähnt wurde.

Folgende Themen musst du unbedingt explizit deklarieren:

  • Physische Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Im weitesten Sinne Sex
  • Diskriminierungserfahrungen
  • Medizinische Massnahmen
  • Körperdsyphorie-Trigger

Wie könnte das aussehen:

“Ich möchte euch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir in diesem Workshop physische und psychische Gewalterfahrungen besprechen.”

Verspätete Ankunft von Teilnehmenden

Damit die Teilnehmenden in deinem Workshop aufblühen können und persönliche Situationen teilen, ist es essentiell, dass in der Gruppe Vertrauen herrscht. Dieses Vertrauensverhältnis wird untergraben durch Menschen, die nach dem Start verspätet an deinem Workshop teilnehmen möchten.

Du findest im Raum einen A4-Blatt mit der Aufschrift “Workshop bereits begonnen, bitte nicht mehr reinkommen.” Hänge dieses Blatt bitte von aussen an die/alle Raumtüre(n), damit ihr nicht unterbrochen werdet.

Bitte entfernen nicht den Badge an der Türe!

Doppelmoderation

Es kann in interaktiven Workshops mit Erfahrungsaustauschen hoch hergehen. Es kann sehr heiss werden und Menschen aufgebracht werden. Es kann aber auch kalt werden und einzelne Menschen verabschieden sich mental aus dem Workshop. Dies kann passieren durch das Hochkommen von persönlichen Erinnerungen, aber es kann auch (unabsichtlich oder absichtlich) durch einen Kommentar, ein Wort oder eine interaktion durch zwei andere Personen passieren.

Ein Potential dafür sehen wir in der Mehrsprachigkeit der Veranstaltung, die von allen Teilnehmenden Rücksicht bedarf und gleichzeitig Raum für Diskriminierung in einem Workshop öffnet.

Bei emotionalen Themen ist es deswegen wichtig, dass du eine zweite Person als zusätzliche Moderator_in hinzuziehst. Die Person muss keine Wissenträger_in in deinem Workshop sein, sie sollte die Teilnehmenden beobachten und für einen ausgeglichene Workshoperfahrung für alle Teilnehmenden sorgen. Ebenfalls würde das Care-Team für dich und deine Teilnehmenden bereitstehen. Bitte informiere uns.

Räume und Technik

Infrastruktur in den Räumen

In jedem Raum ist die folgende Infrastruktur vorhanden:

  • Beamer mit HDMI-Anschluss (du musst selbst ein Notebook und etwaige HDMI-Adapter mitbringen)
  • Flipchart, inkl. Papier und 4 Stifte (schwarz, blau, rot, grün)
  • Konferenztisch in der Mitte des Raums (Ausnahmen Auditorium und Raum 1)

Bitte probiere am Anfang, wenn du in den Raum kommst, die Technik aus.

Falls du mehr oder etwas anderes benötigst, bitten wir dich frühzeitig mit uns Kontakt aufzunehmen.

Besonderheiten der Räume

An jeder Raumtüre hängt ein Badge. Dieser Badge ist nötig um die Türe von aussen zu öffnen. Bitte entferne diesen Badge unter keinen Umständen!

Um 12.00 Uhr jeden Tag fahren die Rollläden nach unten. Du kannst mit dem Multifunktionsschalter neben der Türe die Rollläden wieder hochfahren.

Probleme mit der Technik

Falls du Probleme mit der Technik hast, hast du folgende Optionen:

  • Du wendest dich an den Techniker im Auditorium
  • Du wendest dich an die Workshop-Koordinator_in
  • Du rufst +41 79 xxxxx an